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Bohren im Altbau: warum der Dübel nicht hält

Am Abend hängt das Regal, am Morgen dreht sich der Dübel im Loch. Im Altbau liegt das fast nie an Ihnen, sondern an der Wand. So bohren Sie, dass es hält.

10 Min. Lesezeit

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Bohrloch in einer Altbauwand mit Putzschicht und rotem Ziegel dahinter

Das Regal ist gebohrt, gedübelt, festgeschraubt. Es sitzt. Dann stellen Sie die Bücher drauf.

Am nächsten Morgen ist eine Ecke zwei Zentimeter tiefer. Die Schraube dreht sich, der Dübel dreht sich mit. Rund um das Loch bröselt weißer Staub aus der Wand.

Das liegt selten an Ihnen. Derselbe Dübel hätte in jeder neueren Wohnung gehalten. Eine Altbauwand ist nur anders gebaut.

Die gute Nachricht: Mit drei Regeln hält es. Erst ein Probeloch, dann ohne Schlag bohren, und der Dübel muss lang genug sein. Warum das so ist und wie es geht, zeigen wir Schritt für Schritt. Wir bohren jede Woche in Wiener Altbauwänden, das hier ist unsere Praxis.

Warum hält der Dübel im Altbau nicht?

Meistens, weil er im Putz steckt und nicht im Ziegel. Die zwei anderen häufigen Gründe: Er sitzt in einer Fuge (dem weichen Mörtel zwischen zwei Ziegeln), oder das Loch ist beim Bohren ausgebrochen und zu groß geworden.

Ein Dübel hält, weil er sich beim Eindrehen der Schraube gegen die Wand drückt. Dafür braucht er festes Material rundherum. Alter Kalkputz ist weich. Drückt der Dübel dagegen, gibt der Putz nach oder bröckelt weg. Dann dreht sich alles mit.

Wie ist eine Wand im Wiener Altbau aufgebaut?

Vom Zimmer aus gesehen: zuerst eine dicke Schicht Kalkputz, dahinter Vollziegel mit Fugen aus Kalkmörtel. Das ist das typische Bild in Gründerzeithäusern, also in den meisten Häusern, die in Wien zwischen etwa 1850 und 1914 gebaut wurden.

SchichtTypisch im Wiener AltbauWas das fürs Bohren heißt
Kalkputzmeist 2 bis 4 cm, an unebenen Stellen bis zu 8 cm. Weich, weißer bis hellgrauer StaubHält praktisch nichts. Der Dübel muss durch.
MörtelfugenKalkmörtel, weich und sandigTrifft der Dübel eine Fuge, hält er schlecht.
VollziegelAlte, flache Ziegel, eher weich gebrannt. Roter StaubHält gut, wenn der Dübel ganz darin sitzt.
HohlräumeManchmal hinter dem Putz, oft bei ausgebesserten StellenDer Bohrer fällt kurz ins Leere.

Dazu kommen zwei Sonderfälle. Zwischenwände sind oft dünner, manchmal nur so dick wie ein Ziegel, der auf der Kante steht, plus Putz auf beiden Seiten. Dort bohren Sie nicht zu tief, sonst kommen Sie beim Nachbarzimmer heraus. Und Decken sind in vielen Altbauten aus Holz, dazu unten mehr.

Weil die alten Ziegel flach sind, kommt alle paar Zentimeter eine waagrechte Fuge. Die Chance, eine zu treffen, ist hoch. Das ist kein Pech, das ist die Bauweise.

Wie finde ich heraus, wie dick der Putz ist?

Mit einem Probeloch. Bohren Sie an der geplanten Stelle mit einem 6-mm-Steinbohrer, ohne Schlag, und schauen Sie auf den Staub. Solange er weiß oder hellgrau ist, sind Sie im Putz. Wird er rot, sind Sie im Ziegel.

So messen Sie es genau:

  1. Kleben Sie ein Stück Klebeband als Markierung an den Bohrer.
  2. Bohren Sie langsam. Wird der Staub rot, stoppen Sie.
  3. Schieben Sie das Klebeband an die Wand und ziehen Sie den Bohrer heraus. Der Abstand von der Spitze bis zum Band ist Ihre Putzdicke.

Jetzt wissen Sie, wie lang der Dübel sein muss. Dazu gleich mehr.

Das Probeloch zeigt noch etwas. Wird der Staub nie rot und der Bohrer geht ganz leicht, sitzen Sie vielleicht in einer Fuge oder in einer alten Ausbesserung. Dann versetzen Sie das Loch um zwei, drei Zentimeter nach oben oder unten.

Mit oder ohne Schlag bohren?

Durch den Putz immer ohne Schlag. Im Ziegel meistens auch. Die alten Ziegel sind weich genug, ein scharfer Steinbohrer kommt ohne Schlag gut durch.

Schlagbohren heißt: Die Maschine dreht und hämmert gleichzeitig. In Beton ist das richtig. Im Altbau schlägt der Hammer den weichen Putz und die Ziegelkanten vorne am Loch weg. Das Loch wird trichterförmig und zu groß. Genau dann dreht sich der Dübel später mit.

Wir bohren im Altbau fast immer ohne Schlag und mit wenig Druck. Geht es an einer Stelle wirklich nicht voran, schalten wir den Schlag kurz zu, erst wenn der Bohrer schon tief im Ziegel ist.

Welcher Dübel hält im Altbau?

Einer, der lang genug ist, um sicher im Ziegel zu sitzen. Für schwere Dinge oder bröselige Wände ist Mörtel aus der Kartusche (Injektionsmörtel) die sicherste Lösung.

Die Faustregel: Der Dübel muss im Ziegel stecken, nicht im Putz. Denn er hält nur dort, wo er beim Eindrehen der Schraube breiter wird und sich festdrückt. Bei 3 cm Putz steckt ein 5 cm langer Dübel nur mit 2 cm im Ziegel. Das reicht für ein Bild, nicht für ein Regal. Bei 6 bis 8 cm Putz kommt auch ein langer Dübel kaum noch in den Ziegel. Dann hilft nur Injektionsmörtel mit einem langen Anker, oder ein anderer Platz.

Dübel 6 x 30: steckt nur im Putz, hält kaumZiegelDübel 10 x 80: reicht in den Ziegel, hältPutz 3 cm5 cm im Ziegel
Bei 3 cm Kalkputz spreizt ein kurzer Dübel nur im weichen Putz. Ein langer Dübel steckt mit 5 cm im Ziegel, dort wo die Wand wirklich trägt.

Darum setzen wir den Dübel oft bewusst tiefer. So geht's:

  1. Das Loch einen Zentimeter tiefer bohren als sonst.
  2. Den Dübel mit einem Nagel oder Schraubenzieher hineinschieben, bis er einen Zentimeter unter der Wand sitzt.
  3. Eine Schraube nehmen, die einen Zentimeter länger ist als sonst.

Jetzt wird der Dübel im Ziegel breiter, und der Putz vorne bleibt heil.

Bündig gesetzt1 cm im Ziegel1 cm tiefer gesetzt2 cm im Ziegel1 cmPutz 2 cm
Gleicher 6 x 30 Dübel, gleiche Wand mit 2 cm Putz. Eine Zentimeter tiefer gesetzt, steckt doppelt so viel Dübel im Ziegel. Die Schraube wird dafür 1 cm länger.
Was Sie aufhängenWas im Altbau hält
Bilder, Haken, leichte DekoUniversaldübel, z. B. fischer DuoPower 6 x 30*, etwas tiefer gesetzt
Regale, Spiegel, Garderobelange Dübel, z. B. fischer DuoPower 10 x 80*, mit langer Schraube
Hängeschränke, Fernseher, Waschbecken, HandtuchheizkörperInjektionsmörtel* mit Gewindestange oder Innengewindeanker
Alles an bröseligen oder ausgebesserten StellenInjektionsmörtel, in Hohlräumen mit Siebhülse

Zwei Wörter aus der Tabelle kurz erklärt. Eine Gewindestange ist ein Metallstab mit Gewinde, auf den Sie später eine Mutter drehen. Ein Innengewindeanker ist eine Metallhülse mit Gewinde innen, in die eine normale Schraube passt.

Eine Siebhülse ist ein Röhrchen aus Kunststoffgitter. Sie kommt ins Loch, der Mörtel wird hineingedrückt und quillt durch das Gitter in die Hohlräume. So verteilt er sich nicht ungenutzt in der Wand.

Wie Sie andere Wände erkennen (Beton, Hochlochziegel, Gipskarton), erklären wir im Artikel Welcher Dübel für welche Wand?.

Wie setze ich Injektionsmörtel richtig?

Bohren, Loch gründlich säubern, Mörtel von hinten nach vorne einfüllen, Gewindestange oder Anker eindrehen, aushärten lassen. Klingt aufwendiger, als es ist. Pro Loch sind es ein paar Minuten, dazu die Wartezeit.

  1. Bohren. Durchmesser und Tiefe stehen auf der Kartusche oder beim Anker.
  2. Säubern. Ausblasen, ausbürsten, noch einmal ausblasen. Staub im Loch ist der häufigste Fehler. Der Mörtel klebt dann am Staub statt am Ziegel.
  3. Den Anfang wegdrücken. Die Kartusche hat zwei Kammern, die sich erst in der langen Spitze (der Mischdüse) vermischen. Drücken Sie den ersten Mörtel in einen Becher, bis er eine gleichmäßige Farbe hat. Erst dann ist er richtig gemischt.
  4. Füllen. Die Mischdüse bis zum Lochgrund schieben und beim Füllen langsam herausziehen. So bleiben keine Luftblasen. Das Loch etwa zu zwei Dritteln füllen.
  5. Einsetzen. Gewindestange oder Anker mit leichtem Drehen hineinschieben. Etwas Mörtel soll vorne austreten.
  6. Warten. Die Aushärtezeit steht auf der Kartusche und hängt von der Temperatur ab. In einer kalten Wohnung dauert es länger. Bis dahin nichts belasten.

Die meisten Kartuschen dieser Art passen in eine normale Silikonpistole. Schauen Sie vor dem Kauf aufs Etikett.

Was kann im Altbau in der Wand stecken?

Stromkabel an unerwarteten Stellen, Gasleitungen und Rauchfänge. Im Altbau wurde über Jahrzehnte umgebaut. Was in einer neuen Wohnung gilt (Kabel laufen gerade von Steckdose und Schalter weg), gilt hier nicht.

  • Alte Stromkabel laufen oft schräg oder quer über die Wand, und manchmal knapp unter dem Putz. Ein Leitungssucher wie der Bosch Truvo* gehört vor jedes Loch. Wir scannen jede Stelle, auch wenn sie harmlos aussieht.
  • Gasleitungen gibt es in vielen Wiener Wohnungen mit Gastherme oder Gasherd. Rund um Therme, Herd und Zähler bohren Sie nur, wenn Sie wissen, wo die Leitung verläuft.
  • Rauchfänge (Kamine) laufen in Gründerzeithäusern oft durch die Innenwände. Ist eine Wand auffällig dick oder warm, oder hängt eine Therme daran, bohren Sie dort nicht tief. Ein Loch in einen genutzten Rauchfang kann Abgase in die Wohnung lassen. Im Zweifel fragen Sie die Hausverwaltung oder den Rauchfangkehrer.

Und die Decke? Hier wird es gefährlich

An der Altbaudecke hält ein Dübel im Putz nichts, und oft auch kein Haken und keine Schraube. Sicher hält nur, was im Holzbalken sitzt. Eine Lampe, die von der Decke fällt, ist kein Schönheitsfehler. Sie kann jemanden verletzen.

In vielen Altbauten ist die Decke eine Tramdecke: Holzbalken (Trame), darunter Holzbretter, darauf Schilfrohr und Putz. Der Putz an der Decke ist oft noch dicker als an der Wand. Dazu sind die Bretter alt und sitzen nicht immer fest. Eine Schraube, die nur im Putz und in den Brettern steckt, kann sich mit der Zeit lösen.

  • Jede Lampe, auch eine leichte, gehört in einen Balken. Den finden Sie mit Probelöchern mit einem dünnen Bohrer, bis Sie auf festes Holz stoßen. Die Abstände der Balken sind nicht genormt, also lieber messen als raten.
  • Kein Balken an der Stelle? Dann gibt es dort oft keine sichere Befestigung. Wir sagen das unseren Kunden ehrlich, statt etwas aufzuhängen, das nur im Putz hält. Meist ist die Lösung, die Lampe ein Stück zu versetzen, dorthin, wo ein Balken ist.
  • Stuck bohren Sie nicht an. Er ist oft aus Gips und bricht leicht. Planen Sie Lampe und Schiene daneben.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Decke trägt, hängen Sie nichts auf. Das ist genau der Fall für einen Profi.

Das Loch ist ausgerissen. Was jetzt?

Füllen Sie es mit Injektionsmörtel und setzen Sie den Dübel oder die Gewindestange direkt hinein. Ein ausgerissenes Loch ist im Altbau meist kein Drama. Mit Mörtel hält es danach oft besser als vorher.

So gehen Sie vor:

  1. Den alten Dübel herausziehen, lockere Brösel mit dem Schraubenzieher entfernen.
  2. Loch ausblasen und ausbürsten, wie oben beschrieben.
  3. Mit Injektionsmörtel füllen. Ist das Loch sehr groß, eine Siebhülse verwenden.
  4. Anker oder Gewindestange einsetzen und aushärten lassen.

Was nicht hält: Gips, Spachtelmasse oder Holzstäbchen im Loch. Gips eignet sich gut, um ein altes Loch unsichtbar zu verschließen. Für neuen Halt ist er zu weich. Auch ein dickerer Dübel im selben Loch hilft im bröseligen Putz nur kurz.

Ist die Stelle ganz kaputt, bohren Sie lieber drei, vier Zentimeter daneben neu. Viele Halterungen haben dafür mehrere Löcher.

Selbst machen oder Profi holen?

Bilder, Haken und kleine Regale schaffen Sie im Altbau selbst, mit Probeloch, langem Dübel und ohne Schlag. Rechnen Sie mit 15 bis 30 Minuten pro Stück, das Probeloch eingerechnet.

Zum Profi gehören:

  • Hängeschränke in der Küche und schwere Regale mit Geschirr oder Büchern
  • Fernseher, besonders an Schwenkarmen
  • Waschbecken und Handtuchheizkörper
  • alles an der Decke, auch Lampen
  • Bohrungen nahe an Gasleitung, Therme oder Rauchfang

Hier geht es um viel Gewicht und um Sicherheit. Ein Hängeschrank mit Geschirr zieht nicht nur nach unten. Er kippt auch nach vorne, und dieser Hebel zieht die oberen Schrauben regelrecht aus der Wand.

Wohnen Sie in Wien? Dann übernehmen wir das gerne. Wir prüfen jede Stelle mit dem Leitungssucher, messen den Putz und setzen im Altbau Injektionsmörtel, wo es nötig ist. Mehr dazu bei unserer Wandmontage in Wien. Für Lampen an der Altbaudecke gibt es unsere Lampenmontage in Wien.

Was Sie für den Altbau brauchen

Häufige Fragen

Warum dreht sich der Dübel im Altbau mit?

Meist steckt er nur im weichen Kalkputz oder in einer Mörtelfuge. Dort findet er keinen Halt. Ein längerer Dübel, der sicher im Ziegel sitzt, oder Mörtel aus der Kartusche (Injektionsmörtel) lösen das.

Wie dick ist der Putz im Altbau?

In Wiener Gründerzeithäusern meist 2 bis 4 Zentimeter, an unebenen Stellen bis zu 8 Zentimeter. An der Decke oft noch mehr. Sie messen es selbst mit einem Probeloch: Sobald der Bohrstaub rot wird, sind Sie im Ziegel.

Soll ich im Altbau mit Schlag bohren?

Durch den Putz nie. Die alten Ziegel lassen sich meist auch ohne Schlag gut bohren. Mit Schlag bricht das Loch leicht aus und wird zu groß.

Kann ich ein ausgerissenes Dübelloch reparieren?

Ja. Loch säubern, mit Injektionsmörtel füllen und den Dübel oder die Gewindestange direkt hineinsetzen. Nach der Aushärtezeit auf der Kartusche hält es oft besser als vorher. Gips eignet sich nur, um das Loch zu verschließen, nicht für neuen Halt.

Hält ein Dübel in der Altbaudecke?

Nein. Der Deckenputz im Altbau ist oft sehr dick und hält weder Dübel noch Haken. Sicher hält nur eine Schraube im Holzbalken darüber. Gibt es an der gewünschten Stelle keinen Balken, gibt es dort oft keine sichere Befestigung, auch nicht für eine leichte Lampe.

Kurz zusammengefasst

  • Im Altbau hält der Dübel meist nicht, weil er im Putz steckt statt im Ziegel.
  • Probeloch bohren: Wird der Staub rot, sind Sie im Ziegel. So kennen Sie die Putzdicke.
  • Ohne Schlag bohren, lange Dübel nehmen und einen Zentimeter tiefer setzen.
  • Für Schweres und bröselige Stellen: Injektionsmörtel. An der Decke: nur in den Holzbalken, sonst gar nicht.
  • Vor jedem Loch nach Kabeln suchen. Bei Gasleitung, Therme und Rauchfang vorsichtig sein.

In Wien? Wir erledigen das für Sie.

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