Der Umzug ist geschafft. Die Möbel stehen, die Bilder hängen. Und von der Decke im Wohnzimmer baumelt eine einzelne Glühbirne an zwei Drähten.
Also kommt eine schöne Deckenlampe hin. Eine große, damit es hell genug ist. Am ersten Abend ist es tatsächlich hell. Aber gemütlich ist es nicht. Der Raum wirkt wie ein Wartezimmer: grelles Licht von oben, dunkle Ecken, Schatten im Gesicht.
Das liegt nicht an der Lampe. Es liegt daran, dass eine Lampe allein fast nie reicht.
Gutes Licht ist keine Frage des Geldes. Es ist eine Frage der Planung, und die ist einfacher, als sie klingt. Wir gehen hier Raum für Raum durch: welche Lampe wohin gehört, wie hell sie sein soll und welche Lichtfarbe passt. Mit Zahlen, die Sie beim Kauf direkt auf der Verpackung wiederfinden.
Warum eine Deckenlampe allein nicht reicht
Ein Raum braucht Licht aus mehreren Quellen. Lichtplaner sprechen von drei Ebenen:
- Grundlicht: Damit Sie sich sicher bewegen und alles finden. Meist die Deckenlampe.
- Arbeitslicht: Gezieltes, helles Licht dort, wo Sie etwas tun. Über der Arbeitsfläche, am Schreibtisch, am Spiegel, neben dem Lesesessel.
- Stimmungslicht: Weiches, warmes Licht für den Abend. Stehlampe in der Ecke, Tischlampe auf der Kommode, ein Lichtstreifen hinter dem Fernseher.
Die meisten Wohnungen haben nur die erste Ebene. Deshalb ist es entweder zu grell oder zu dunkel. Sobald zwei oder drei Lampen auf unterschiedlichen Höhen leuchten, wirkt derselbe Raum ruhiger und größer. Die Deckenlampe darf dann am Abend sogar aus bleiben.
Der einfachste erste Schritt: eine Stehlampe oder Tischlampe in die dunkelste Ecke des Raumes stellen. Kein Bohren, kein Elektriker, sofort spürbar.
Wie hell muss es sein? Lumen statt Watt
Früher hat man Lampen nach Watt gekauft. Bei LED-Lampen sagt Watt aber nur noch, wie viel Strom sie brauchen, nicht wie hell sie sind. Die Helligkeit steht in Lumen (lm) auf der Verpackung.
Zur Orientierung, so hell waren die alten Glühbirnen:
| Alte Glühbirne | Entspricht etwa |
|---|---|
| 40 Watt | 470 Lumen |
| 60 Watt | 806 Lumen |
| 75 Watt | 1.055 Lumen |
| 100 Watt | 1.521 Lumen |
Wie viel Licht ein Raum braucht, hängt von seiner Fläche ab. Für Wohnräume gibt es keine verbindliche Norm. Diese Richtwerte haben sich aber bewährt. Sie passen auch zu dem, was wir in Wohnungen sehen:
| Raum | Lumen pro m² (alle Lampen zusammen) | Beispiel |
|---|---|---|
| Wohnzimmer, Schlafzimmer | 100 bis 150 | 20 m²: 2.000 bis 3.000 lm |
| Flur, Vorraum | rund 100 | 8 m²: rund 800 lm |
| Küche, Bad | 250 bis 300 | 10 m²: 2.500 bis 3.000 lm |
| Arbeitsfläche, Schreibtisch | rund 500 direkt am Arbeitsplatz | eine eigene Lampe dafür |
Die Zahl gilt für alle Lampen im Raum zusammen. Ein Wohnzimmer mit 20 m² braucht also nicht eine einzige Deckenlampe mit 3.000 Lumen. Besser ist zum Beispiel eine Deckenlampe mit 1.500, eine Stehlampe mit 800 und eine Tischlampe mit 500 Lumen.
Zwei Dinge schlucken Licht: hohe Decken und dunkle Wände. In einem Wiener Altbau mit 3,20 Metern Raumhöhe planen Sie rund 10 bis 20 Prozent mehr ein. Und planen Sie lieber etwas mehr Licht und einen Dimmer ein. Zu helles Licht können Sie dimmen. Zu dunkles Licht wird nicht heller.
Welche Lichtfarbe für welchen Raum?
Die Lichtfarbe wird in Kelvin (K) angegeben. Je niedriger die Zahl, desto wärmer und gelblicher das Licht. Je höher, desto kühler und bläulicher.
| Lichtfarbe | Kelvin | Wirkung | Passt für |
|---|---|---|---|
| Extra-Warmweiß | 2.200 bis 2.700 K | wie Kerzenlicht, sehr gemütlich | Stimmungslicht, Schlafzimmer am Abend |
| Warmweiß | 2.700 bis 3.000 K | warm, entspannt | Wohnzimmer, Esstisch, Schlafzimmer, Flur |
| Neutralweiß | 3.500 bis 4.000 K | klar, wach | Küche (Arbeitsfläche), Bad, Schreibtisch |
| Tageslichtweiß | ab 5.000 K | kühl, sachlich | Werkstatt, Keller. Für Wohnräume meist zu kalt |
Der häufigste Fehler, den wir in Wohnungen sehen: In einem Raum leuchtet die Deckenlampe kühl, die Stehlampe warm und die Leselampe irgendwo dazwischen. Das wirkt unruhig, auch wenn man nicht sofort sagen kann, warum. Bleiben Sie in einem Raum bei einer Lichtfarbe, mit höchstens 300 bis 500 Kelvin Unterschied.
Farbwiedergabe: die Zahl, die fast keiner beachtet
Auf guten LED-Verpackungen steht noch ein dritter Wert: Ra oder CRI. Er zeigt, wie natürlich Farben unter dem Licht aussehen. Tageslicht hat 100.
- Ra 80: ausreichend für Flur, Abstellraum, Keller.
- Ra 90 und mehr: Hautfarbe, Essen und Kleidung sehen aus wie bei Tageslicht. Das lohnt sich in Küche, Bad, Esszimmer und im begehbaren Kleiderschrank.
Steht auf der Verpackung kein Wert, liegt er meist bei 80. LED-Lampen mit Ra 90 kosten oft nur wenig mehr, zum Beispiel dimmbare E27-Lampen mit 2.700 K und Ra 90*.
Raum für Raum: welche Lampe wohin?
Wohnzimmer
Hier brauchen Sie alle drei Ebenen. Eine Deckenlampe für das Grundlicht, eine Stehlampe neben dem Sofa oder Lesesessel und ein, zwei kleine Lichtquellen für den Abend. Eine Stehlampe mit Licht nach oben (Deckenfluter) macht den Raum besonders weich, weil das Licht von der Decke zurückkommt.
Beim Fernseher hilft ein Lichtstreifen hinter dem Gerät. Er mildert den harten Kontrast zwischen hellem Bildschirm und dunkler Wand. Die Augen ermüden weniger.
Esstisch
Über den Esstisch gehört eine Pendelleuchte, also eine Lampe, die an einem Kabel von der Decke hängt. Sie gehört über die Mitte des Tisches, nicht in die Mitte des Raumes. Die Unterkante des Schirms hängt 60 bis 70 Zentimeter über der Tischplatte. Höher blendet sie die Sitzenden, tiefer stört sie beim Gespräch.
Bei einem langen Tisch funktionieren zwei oder drei kleinere Pendelleuchten in einer Reihe besser als eine große. Warmweiß mit 2.700 bis 3.000 K, gerne dimmbar.
Liegt der Deckenanschluss nicht über dem Tisch, gibt es zwei Lösungen. Ein Elektriker verlegt den Anschluss. Oder das Kabel wird über einen Deckenhaken zum Tisch geführt. Das ist sauber und in Wiener Altbauwohnungen sehr üblich.
Küche
Die Küche ist der Raum, in dem schlechtes Licht am meisten stört. Die Deckenlampe hängt hinter Ihnen, und Sie stehen beim Schneiden im eigenen Schatten.
Die Lösung ist Licht unter den Hängeschränken. Eine LED-Unterbauleuchte* oder ein Lichtstreifen leuchtet die Arbeitsfläche direkt von vorne oben aus. Neutralweiß mit 3.000 bis 4.000 K und Ra 90, damit Gemüse, Fleisch und Gewürze ihre echten Farben zeigen. Für IKEA-Küchen gibt es Leuchten, die genau unter die Schränke passen.
Schlafzimmer
Hier zählt vor allem der Abend. Eine Deckenlampe zum Aufräumen und Anziehen, dazu Leselampen am Bett. Wandleuchten mit Schalter direkt am Bett sparen Platz auf dem Nachttisch.
Warmweiß, am besten extra-warm mit 2.200 bis 2.700 K für die Leselampen. Kühles, helles Licht kurz vor dem Schlafen macht wieder wach.
Bad
Im Bad zählen zwei Dinge: gutes Licht am Spiegel und Schutz vor Feuchtigkeit.
Das Licht am Spiegel kommt am besten von beiden Seiten oder rundum, auf Gesichtshöhe. Eine einzelne Lampe über dem Spiegel wirft Schatten unter Augen und Kinn. Neutralweiß bis Warmweiß mit 3.000 bis 4.000 K und Ra 90.
Badezimmerleuchten brauchen eine Schutzart gegen Spritzwasser. Sie steht als IP mit zwei Ziffern auf der Leuchte. IP44 ist das Minimum im Bad. Direkt über oder neben Dusche und Badewanne gelten strengere Regeln. Sie stehen in den Elektronormen für Nassräume. Lampen in diesen Bereichen gehören zum Elektriker.
Flur und Vorraum
Der Flur ist oft lang und schmal und hat nur eine Lampe am Eingang. Besser sind zwei oder drei kleinere Deckenleuchten in einer Reihe oder Wandleuchten auf beiden Seiten. Warmweiß, eher hell, damit der Übergang von draußen angenehm ist.
Ein kleiner Trick für die Nacht: ein Bewegungsmelder-Licht in Bodennähe, mit Batterie oder Akku. Ohne Bohren, ohne Kabel.
Homeoffice
Am Schreibtisch brauchen Sie rund 500 Lux direkt auf der Arbeitsfläche. Diesen Wert nennt die europäische Norm für Büroarbeitsplätze (EN 12464-1). Er gilt auch für das Homeoffice. Eine Deckenlampe schafft das allein selten.
Eine gute Schreibtischlampe stellen Sie auf die Seite gegenüber Ihrer Schreibhand. Bei Rechtshändern also links. So schreiben Sie nicht in Ihren eigenen Schatten. Neutralweiß mit 4.000 K tagsüber. Achten Sie darauf, dass sich die Lampe nicht im Bildschirm spiegelt.
Der Altbau: was in Wiener Wohnungen anders ist
In Wiener Altbauwohnungen sehen wir immer wieder die gleichen Besonderheiten. Sie sind kein Problem, wenn Sie sie vorher kennen.
- Ein einziger Deckenanschluss, genau in der Mitte. Meist nur einer pro Raum. Wer mehr Lampen will, plant Stehlampen, Tischlampen und Wandleuchten mit Stecker ein. Neue Anschlüsse bedeuten Schlitze in der Decke und einen Elektriker.
- Hohe Decken, 3 Meter und mehr. Eine Pendelleuchte mit kurzem Kabel hängt dann viel zu hoch und leuchtet vor allem die Decke an. Das Kabel lässt sich bei den meisten Pendelleuchten verlängern oder kürzen. Am Esstisch ist das fast immer nötig.
- Stuckrosette um den Anschluss. Hier bohren wir besonders vorsichtig. Ein großer Baldachin, also die Abdeckung an der Decke, kann die Rosette verdecken oder beschädigen. Kleine Baldachine lassen den Stuck frei.
- Alte Deckenhaken in bröseligem Putz. Ein Haken, der seit Jahrzehnten in der Decke sitzt, sieht fest aus. Oft steckt er aber nur im alten Putz. Bevor eine schwere Leuchte dranhängt, prüfen wir ihn und setzen bei Bedarf einen neuen.
- Alte Leitungen. In manchen Altbauten gibt es noch Leitungen ohne Schutzleiter (das grün-gelbe Kabel) oder alte Aluminiumleitungen. Dann ist vor der neuen Lampe ein Elektriker gefragt.
Noch ein Punkt zum Gewicht: Die Halterungen, die bei vielen Leuchten im Karton liegen, sind meist nur für einige Kilo ausgelegt. Für einen Kronleuchter oder eine schwere Designleuchte braucht es einen Haken, der zur Decke passt. Wie Sie Ihre Decke oder Wand erkennen, zeigen wir im Artikel Welcher Dübel für welche Wand?.
Selbst machen oder Profi holen?
Vieles davon schaffen Sie selbst, oft in einer Stunde:
- Ganz einfach: Stehlampen, Tischlampen, Leuchtmittel tauschen, Lichtstreifen mit Stecker. Kein Werkzeug nötig.
- Mit etwas Erfahrung: eine leichte Deckenlampe am bestehenden Anschluss. Zuerst die Sicherung ausschalten. Dann mit einem Spannungsprüfer (ein Messgerät, das anzeigt, ob Strom anliegt) kontrollieren, dass wirklich kein Strom fließt. Erst dann arbeiten.
- Lieber vom Profi: schwere Leuchten und Kronleuchter, Pendelleuchten mit Kabel über den Tisch, Wandleuchten mit sauberer Kabelführung, alles in einem Altbau mit Stuck oder alten Haken.
- Nur vom Elektriker: neue Leitungen, neue Steckdosen oder Schalter, Lampen in den Schutzbereichen im Bad, alte Leitungen ohne Schutzleiter.
Wohnen Sie in Wien? Dann montieren wir Ihre Lampen gerne. Wir scannen Decke und Wand vor jedem Bohrloch, setzen Haken passend zum Gewicht und führen Kabel sauber. Mehrere Lampen erledigen wir in einem Termin, zum Festpreis. Mehr dazu bei unserer Lampenmontage in Wien.
Was Sie brauchen
- LED-Leuchtmittel mit der passenden Lichtfarbe und Ra 90, zum Beispiel dimmbare E27-Lampen mit 2.700 K* für Wohn- und Schlafräume.
- Eine Stehlampe für die dunkelste Ecke, gerne als Deckenfluter mit Dimmer*.
- Unterbauleuchten für die Küche, neutralweiß.
- Smarte Leuchtmittel, wenn Sie Helligkeit und Lichtfarbe per App oder Schalter steuern wollen, zum Beispiel Philips Hue White Ambiance*. Praktisch, wenn kein Dimmer in der Wand ist.
- Einen Spannungsprüfer, bevor Sie an einem Deckenanschluss arbeiten.
- Einen Leitungssucher wie den Bosch Truvo*, bevor Sie für Haken oder Wandleuchten bohren.
Häufige Fragen
Wie viel Lumen brauche ich für ein Wohnzimmer?
Als Faustregel rund 100 bis 150 Lumen pro Quadratmeter, verteilt auf mehrere Lampen. Für 20 Quadratmeter sind das 2.000 bis 3.000 Lumen. Bei hohen Decken oder dunklen Wänden planen Sie etwa 10 bis 20 Prozent mehr ein.
Warmweiß oder Neutralweiß: was ist besser?
Für Wohnzimmer, Schlafzimmer und Esstisch Warmweiß (2.700 bis 3.000 Kelvin). Für Küche, Bad und Arbeitsplatz darf es etwas heller und neutraler sein (3.000 bis 4.000 Kelvin). Wichtig ist, dass alle Lampen in einem Raum ungefähr die gleiche Lichtfarbe haben.
Wie hoch soll eine Pendelleuchte über dem Esstisch hängen?
Rund 60 bis 70 Zentimeter zwischen Unterkante des Schirms und Tischplatte. So blendet das Licht nicht und der Tisch ist gut ausgeleuchtet. Bei hohen Altbaudecken muss das Kabel meist verlängert werden, damit die Leuchte trotzdem auf dieser Höhe hängt.
Darf ich eine Lampe selbst anschließen?
Eine Steh- oder Tischlampe mit Stecker natürlich. Eine Deckenlampe am bestehenden Anschluss schließen viele selbst an. Vorher muss die Sicherung aus sein, und Sie prüfen, dass wirklich kein Strom fließt. Neue Leitungen, Steckdosen oder Schalter gehören in Österreich zum Elektriker.
Was bedeutet Ra oder CRI auf der Verpackung?
Das ist die Farbwiedergabe, also wie natürlich Farben unter dem Licht aussehen. 100 ist Tageslicht. Gute LED-Lampen haben Ra 90 oder mehr. Das lohnt sich vor allem in Küche, Bad und beim Kleiderschrank.
Kurz zusammengefasst
- Jeder Raum braucht mehrere Lichtquellen: Grundlicht, Arbeitslicht, Stimmungslicht.
- Helligkeit in Lumen planen: rund 100 bis 150 lm/m² im Wohnraum, 250 bis 300 in Küche und Bad, mehr bei hohen Decken.
- Eine Lichtfarbe pro Raum. Warmweiß zum Wohnen, Neutralweiß zum Arbeiten.
- Ra 90 für Küche, Bad und Esstisch.
- Pendelleuchten 60 bis 70 cm über dem Tisch. Im Altbau das Kabel anpassen und alte Haken prüfen.



